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„Bio ist doch ziemlich unehrlich geworden“

18. September 2021

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Thomas Hoffmann

Roland Waldi im Interview mit Dagmar Behme von der Agrarzeitung am 10.09.2021

Warum stellen Ihre Landwirte nicht komplett auf Bio um?

Das hat mehrere Gründe. Wir sind hier im Kraichgau, viele Landwirte haben Zuckerrüben in der Fruchtfolge. Der Rübenanbau lässt sich aber auf unseren erosionsgefährdeten Standorten nur schwer auf Bio umstellen. Wer einmal gesehen hat, wie nach einer Maschinenhacke ein kräftiger Regenguss den Feinboden ins Tal schwemmt, lässt lieber die Finger davon. Außerdem ist doch Bio mittlerweile ziemlich unehrlich geworden.

Das müssen Sie erklären.

Früher war Bio mal regional. Doch heute werden die Bio-Produkte quer durch Deutschland oder sogar ganz Europa transportiert. Das ist doch nicht nachhaltig!  Erzeugt wird dort, wo die Produktionskosten am niedrigsten sind, und das zunehmend nach dem niedrigen EU-Standard. Bio-Ware wird immer mehr verramscht und den Preisdruck bekommt auch die Verbandsware ab. Ich frage mich oft: „Was kriegt denn da noch der Bauer?“  Wir in Baden-Württemberg können da mit unseren kleineren Strukturen nicht mithalten.

Wie grenzen Sie dann Ihre Anbauform von Bio ab?

Ich habe mit dem Abgrenzen aufgehört. Unser Anbau ist etwas Besonderes. Wer bei Kraichgaukorn mitmachen will, muss handwerkliches Können beweisen – das gilt für die beteiligten Landwirte, die Mühlen und die Bäcker gleichermaßen. Alle unsere Maßnahmen
sind umfassend dokumentiert und von unabhängigen Sachverständigen geprüft. Wir haben in den mehr als 30 Jahren seit der Gründung ein regionales Konzept entwickelt, das Mensch, Tier und Umwelt nutzt. Darauf sind wir stolz.

DAS INTERVIEW FÜHRTE: DAGMAR BEHME

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